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Genesungsbegleiter im Beruf

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Jobprofil - Henriette Peer

EX-­IN Erfahrung
Henriette Peer

1 Jahre als EX-IN-Bezugsbetreuerin im Betreuten Wohnen
Als Psychiatrieerfahrene habe ich von 2014 bis 2015 in Münster bei Gudrun Tönnes die EX-In Ausbildung gemacht. Vor der Ausbildung war ich noch gar nicht so sicher, ob ich überhaupt geeignet bin für eine Tätigkeit als Peer- Beraterin, obwohl das bei meinem Nachnamen natürlich wirklich gut passt – alle müssen darüber immer lachen. Außerdem konnte ich mir auch nicht richtig vorstellen, welche Aufgaben man als EX-IN-Beraterin denn bernehmen könne.

Aber schon der Kurs bei Gudrun hat mir viel von meiner Unsicherheit genommen: Die einzelnen Themen war interessant, wobei mir besonders Beraten und Begleiten Spaß gemacht hat. Es war auch interessant, dieLebens- und Krankheitsverläufe der anderen Teilnehmer/innen kennenzulernen. Ich war noch nie für längere Zeit in so einer Gruppe und
habe gemerkt, dass es entlastend sein kann, wenn man nicht die einzige ist, die viele Episoden mit Krankheit und Krankenhausaufenthalt hat.

Wir haben uns ganz gut verstanden und deshalb habe ich mich allmählich auch immer mehr getraut, mitzudiskutieren und meine Meinung zu sagen. Ich hatte mich schon bevor ich überhaupt die Zusage von Gudrun hatte, im Internet nach Praktikantenstellen umgeguckt. Das empfehle ich auch allen,
die Lust auf diesen Kurs haben. Wenn Du lange nach einem Praktikum suchen musst, kann das sehr frustrierend sein und dich unter Druck bringen. Daher hatte ich auch schon vorher eine Zusage und konnte dann beide Praktika bei einem sozialen Verein in Berlin machen.

Das erste Praktikum habe ich im Bed & Breakfast gemacht. Das ist ein Angebot für Intensiv
Betreutes Wohnen, in dem die Klienten wohnen können und Tag und Nacht eine Betreuung haben. Dort war schon eine andere EX-INlerin, das hat mir geholfen, mich dort zurechtzufinden. Ich habe dort 10 Stunden die Woche an zwei Tagen gearbeitet über 2 Monate lang, und ich habe das auch nochmal verlängert.

Das zweite, längere Praktikum von 120 Stunden konnte ich dann bei dem gleichen Verein im Betreuten Wohnen machen. Dort bin ich mit den Betreuer/innen mitgegangen, habe ab und zu auch schon allein einen Einzeltermin machen können.
Das hat wohl ganz gut geklappt, sie waren zufrieden mit mir und so hat mir der Verein eine 20-Stunden-Stelle angeboten, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Ich hatte das Gefühl, dass mir nach langer Zeit wieder einmal etwas gut gelungen ist und dass für mich wieder ein normales Leben beginnt.
So arbeite ich inzwischen an vier Tagen die Woche 5 Stunden dort als Bezugsbetreuerin. Ich war dort 2014 und 2015 als Praktikantin gewesen und bin seit September 2015 dort Angestellte. Der Vertrag war auf ein Jahr befristet, das bietet der Verein allen EX-INlern an. 2016 wurde er für mich nun um ein Jahr verlängert, was mich sehr gefreut hat.

Ich habe viel gelernt während dieser Zeit, lerne immer noch dazu und fühle mich allmählich immer sicherer. Meine Kollegen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit und ich kann Sie jederzeit etwas fragen. Ich habe nie das Gefühl, dass sie genervt reagieren, manchmal bieten sie mir dann einen anderen Termin für ein Gespräch an, wenn es gerade nicht passt.

Ich versuche auch nicht ständig zu fragen, denn ich weiß ja selbst, wie sehr es nerven kann, wenn man andere bei der Arbeit ständig stört. Was mir gut gefällt ist, dass meine Kolleg/innen noch nie negativ oder herablassend über die Klienten gesprochen haben. Sie bemühen sich alle, die Klienten so zu unterstützen, dass sie möglichst viel Selbständigkeit in ihrem Leben haben. Und ich habe auch gelernt, dass es mit den Klienten auch nicht immer nur einfach ist: ein Klient hat sich wieder schwer betrunken und reagierte etwas aggressiv. Damit muss man umgehen und man muss genau überlegen, ob das ein Ausrutscher war oder ob der Klient vielleicht doch für eine Weile ins Krankenhaus muss.

Einmal die Woche haben wir Team, d.h. wir sprechen über die Klienten, wie es Ihnen geht und was bei Ihnen zu beachten ist. Meine Erfahrungen werden auch nachgefragt und ich stelle meine Meinung dar. Zum Beispiel hat mich eine Kollegin gefragt, ob ich bei psychischen Krankheiten an Heilung glaube. Da musste ich erst einmal nachdenken und meinte, dass man das differenziert sehen sollte. Wenn jemand einmal eine Phase hatte und dann
nicht wieder, denke ich, hat er Glück gehabt. Jedoch glaube ich, dass ich, die nun öfter Krisen hatte, nicht von Heilung oder voller Gesundheit sprechenwürde. Ich finde, wenn jemand etwas für sich tut, kann er wieder mit und ohne Tabletten Stabilität erlangen. Stabilität heißt in diesem Zusammenhang, dass er seine Wünsche und die Ziele, die er im Leben hat umsetzen kann, also ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Auch in anderen Fragen fanden sie oft meine Einschätzung interessant, weil ich eben manchmal noch
einen anderen oder zusätzlich Blick auf das habe, was ein Klient sagt oder
tut.

Was sind jetzt meine persönlichen Aufgaben? Ich habe inzwischen drei Klienten, für die ich verantwortlich bin. Die Woche über betreue ich meine Klienten, das heißt, ich besuche Sie und wir reden miteinander oder wir gehen einen Kaffee trinken. Das ist vor allem wichtig bei Klienten, die selbst wenig Antrieb haben, mal nach draußen zu gehen. Ich versuche, mich möglichst nach den Wünschen der Klienten zu richten: Manchmal wollen sie Hilfe beim Aufräumen oder Einkaufen. Manchmal reden wir über Streit in der Familie oder darüber, dass jemand traurig ist, weil er seine Kinder nicht sehen kann.
Natürlich unterstütze ich sie auch bei Behördenangelegenheiten, setze Schreiben und Anträge z.B. für einen Umzug auf, oder stelle die Unterlagen mit meinem Klienten zusammen, damit er einen Wohnberechtigungsschein bekommt. Ich besichtige mit Ihm Wohnungen, beantrage mit ihm Zuzahlungsbefreiung für die Medikamente bei der Krankenkasse.

Eine andere Klientin begleite ich zum Arzt oder war mit einer Klientin zusammen Kleidung kaufen für ein festlichen Anlass. Manche haben auch gesetzliche Betreuer, zu denen nehme ich auch Kontakt auf. Da ist es vor allem wichtig, die Klienten dabei zu unterstützen, selbstständig ihre Interessen vor ihrem gesetzlichen Betreuer zu vertreten. Oft ist das mit sehr viel Angst behaftet, dann mache ich das erst einmal, aber ich probiere immer, meine Klienten davon zu überzeugen, dass sie das eigenständig schaffen, dort anzurufen.

Manchmal hilft es ihnen auch schon, wenn ich einfach dabei sitze. Ich kann diese Ängste oder die Antriebslosigkeit gut verstehen, es gab ja auch bei mir Zeiten, wo ich auf diese Unterstützung von außen angewiesen war. Einmal die Woche biete ich eine Kochgruppe an, die auch gern angenommen wird. Meine Klienten dürfen sich immer wünschen, was wir
kochen, Kartoffelgratin kommt gut an, Spagetti Bolognese ist natürlich derRenner, von Lachs in Orangensahnesoße mit Nudeln waren alle begeistert und im Moment ist der Hit im Ofen gegarte Hühnchenschenkel mit Thymiankartoffeln und Möhrchen.

Ich wollte zuerst gesund kochen, schon aus Eigeninteresse, aber das kam gar nicht gut an: Sie wollen Fleisch und schöne Soßen und sie freuen sich, wenn sie durch die Kochgruppe dann auch für sich zuhause ein neues Rezept gelernt haben.

Zu meiner Kochgruppe kommen so 3 bis 5 Menschen, mehr hätten auch keinen Platz.
Manche, die etwas schüchtern sind, tauen nach einer Weile auf und fangen an, mit den anderen zu sprechen, das ist schön zu sehen. Das braucht aber auch Zeit und Geduld.

Ich denke, wichtig bei meiner Arbeit ist, dass ich sehr genau hinhöre, was sich der Klient wünscht und möchte und dass meine eigenen Überzeugungen erst einmal zurückgestellt werden. Wenn jemand mich nach meiner Erfahrung fragt, dann erzähle ich auch etwas davon, aber ich probiere herauszufinden, wie ich meine Klienten so unterstützen kann, dass
ich ihren Willen und Interessen begleite. Meine Klienten wissen alle, dass ich auch eine Erkrankung habe und dass ich Krisen kenne, und manchmal wollen sie auch etwas davon wissen.

Bei einem Klienten habe ich festgestellt, dass es ihm eine Hilfe ist, mit jemandem zu sprechen, der Krisen kennt. Das öffnet andere Türen, um eine professionelle Betreuungsbeziehung aufzubauen, als mit Profis. Ich glaube nämlich, dass ich es noch etwas besser verstehen kann, wie sehr der Alltag im Leben manchmal ein Kampf sein kann.

Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben und meiner Arbeitsstelle und wünsche mir, dass das noch lange so weiter geht. Ich bin auch trotz Arbeit nicht davor gefeit, wieder in Krisen zu geraten, das ist mir sehr wohl bewusst. Ich probiere, auf mich zu achten, nehme meine Arzt- und Therapeutengespräche wahr und weiß dennoch, dass das
manchmal nicht ausreicht, um Krisen zu vermeiden. Ich habe für mich einen Krisenplan erstellt, den auch alle wichtigen Menschen in meinem Leben haben. Die Kunst ist es, eine Balance zwischen der Selbstbeobachtung und dem normalen Alltagsleben zu finden. Das ist nicht immer so einfach, aber es ist es wert, versucht zu werden. Nicht alles was manchmal nicht so gut läuft bei mir, muss gleich ein Symptom der Krankheit sein.

Was würde ich mir für die EX-IN-Ausbildung noch wünschen? Ich glaube, dass es gut wäre, wenn wir auch mehr über den Umgang mit Konflikten lernen würden. Über einen konstruktiven Umgang mit Konflikten. Das können wir in der Gruppe nicht so gut, das fällt uns oft schwer im Team und das ist auch etwas, das wir fürs Leben brauchen.
Insgesamt bin ich sehr froh darüber, welche positive Wendung mein Leben durch die EX-IN-Ausbildung genommen hat. Und dem Verein bin ich dankbar, dass sie schon 3 EX-Inler eingestellt haben und unser Konzept unterstützen.
Henriette Peer Oktober 2016

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